Aktuelles zur Politischen Sachlage
02.07.2026 Bundesrgierung
AU ab dem 1. Krankheitstag
Letzte Woche habe ich erst wieder über das Thema: Gefälligkeitsatteste vor mehreren ärztlichen Kolleg: innen an einer Akademie referiert. Und die Politik hat passend dazu eine Entscheidung getroffen: Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hat am 2. Juli 2026 beschlossen: Künftig soll eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend vorgelegt werden müssen – bisher war dies erst ab dem vierten Tag der Fall. Gleichzeitig soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft und die unrichtige Ausstellung von AU-Bescheinigungen stärker sanktioniert werden.
Die Notwendigkeit ist unbestritten
Hohe Krankenstände kosten die deutsche Volkswirtschaft jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag. Es ist legitim und notwendig, dass Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen gemeinsam nach
Wegen suchen, diese Belastung zu reduzieren – auch weil ein Teil der Fehlzeiten nachweislich nicht auf tatsächliche Erkrankung zurückzuführen ist. Diesen Teil zu adressieren, ist im Interesse der
gesamten Gesellschaft, die die Kosten letztlich mitträgt.
Aber: Die Lösung darf nicht einseitig sein
Fachverbände wie die Bundesärztekammer und die KBV warnen zu Recht davor, dass eine Attestpflicht ab Tag eins die ohnehin ausgelasteten Hausarztpraxen zusätzlich mit Millionen Arztkontakten
belasten könnte – gerade in der Erkältungssaison, wenn Patient:innen mit leichten Infekten dann persönlich erscheinen müssen. Das birgt das Risiko, dass:
Wartezeiten für akut und chronisch Erkrankte steigen,
Ansteckungsrisiken in vollen Wartezimmern zunehmen,
Menschen sich eher krank zur Arbeit schleppen, um den Praxisbesuch zu vermeiden.
Wer wirklich krank ist, darf durch diese Reform nicht schlechter gestellt werden.
Der Blick über die Grenze lohnt sich
Andere Länder gehen andere Wege:
Belgien hat die Attestpflicht für den ersten Krankheitstag 2022 sogar abgeschafft – Beschäftigte können bis zu dreimal jährlich ohne ärztliche Bescheinigung fehlen, basierend auf
Vertrauen statt Kontrolle.
Die Niederlande setzen stark auf den Betriebsarzt (bedrijfsarts) statt auf die Hausarztpraxis: Arbeitsunfähigkeit wird primär betriebsärztlich begleitet, nicht über ein
AU-Formular vom Hausarzt.
Österreich verzeichnet im europäischen Vergleich vergleichsweise niedrige Fehlzeiten – bei einer Struktur, die stärker auf betriebliche Prävention und Wiedereingliederung setzt
als auf zusätzliche Formularpflichten.
Der gemeinsame Nenner: Diese Systeme verlagern Verantwortung stärker in den Betrieb – nicht ausschließlich in die Hausarztpraxis.
Ein oft übersehener Hebel: der Arbeitgeber selbst
Ein Aspekt fehlt in der aktuellen Debatte fast völlig: Arbeitgeber sind gesetzlich zum Arbeits- und Gesundheitsschutz verpflichtet (ArbSchG, ASiG) – inklusive arbeitsmedizinischer Betreuung. In
der Praxis wird diese Pflicht jedoch vielerorts nur unzureichend umgesetzt. Würde jeder Betrieb die gesetzlich vorgeschriebene betriebsärztliche Betreuung tatsächlich im vollen Umfang leben –
Prävention, Gefährdungsbeurteilung, betriebliches Eingliederungsmanagement, niedrigschwelliger Zugang zum Betriebsarzt – ließe sich ein relevanter Teil der Fehlzeiten vermutlich vermeiden, bevor
überhaupt eine Krankschreibung nötig wird.
Mein Vorschlag für einen multimodalen Ansatz:
Betriebliche Prävention stärken statt nur Kontrolle verschärfen: Konsequente Umsetzung bestehender Arbeitsschutzpflichten, ggf. mit Anreiz- oder Sanktionsmechanismen für
Arbeitgeber, die ihrer Fürsorgepflicht nicht nachkommen. Und nicht wie die Bundesregierung seit Dezember versucht Arbeitsschutz zu reglementieren.
Tagtäglich halten Arbeitgeber: innen den gesetzlichen Arbeits- und Gesundheitsschutz gar nicht oder minimalistisch ein. Die Folge ist es kommt zur arbeitsbedingten Belastungen und Erkrankungen. Das ist Realität und das spiegelt sich in den AU-Zahlen auch wieder.
Betriebsärztliche Erstanlaufstelle stärken (nach niederländischem Vorbild), um Hausarztpraxen bei kurzen, unkomplizierten Erkrankungen zu entlasten.
Vertrauensbasierte Ausnahmen für kurze Einzeltage, ähnlich dem belgischen
Modell, kombiniert mit klaren Grenzen bei Wiederholung.
Schulung und klare Leitlinien für Ärzt:innen zu Gefälligkeitsattesten und korrekter Kodierung, damit die Ausstellung einer AU rechtssicher und einheitlich erfolgt.
Digitalisierung und Entbürokratisierung der eAU-Prozesse, damit zusätzlicher Verwaltungsaufwand nicht einseitig bei den Praxisteams landet.
Eine Reform, die nur an einer Stellschraube dreht – der Attestpflicht –, wird das strukturelle Problem nicht lösen.
Erst das Zusammenspiel aus Prävention, kontinuierlicher betriebsärztlicher Betreuung und Überprüfung der gesetzlichen Vorgaben sowie betrieblicher Verantwortung, klugen Ausnahmeregelungen und Entlastung der Praxen kann echte, nachhaltige Wirkung entfalten.
Letzte Woche habe ich erst wieder über das Thema: Gefälligkeitsatteste vor mehreren ärztlichen Kolleg: innen an einer Akademie referiert. Und die Politik hat passend dazu eine Entscheidung getroffen: Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hat am 2. Juli 2026 beschlossen: Künftig soll eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend vorgelegt werden müssen – bisher war dies erst ab dem vierten Tag der Fall. Gleichzeitig soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft und die unrichtige Ausstellung von AU-Bescheinigungen stärker sanktioniert werden.
Die Notwendigkeit ist unbestritten
Hohe Krankenstände kosten die deutsche Volkswirtschaft jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag. Es ist legitim und notwendig, dass Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen gemeinsam nach
Wegen suchen, diese Belastung zu reduzieren – auch weil ein Teil der Fehlzeiten nachweislich nicht auf tatsächliche Erkrankung zurückzuführen ist. Diesen Teil zu adressieren, ist im Interesse der
gesamten Gesellschaft, die die Kosten letztlich mitträgt.
Aber: Die Lösung darf nicht einseitig sein
Fachverbände wie die Bundesärztekammer und die KBV warnen zu Recht davor, dass eine Attestpflicht ab Tag eins die ohnehin ausgelasteten Hausarztpraxen zusätzlich mit Millionen Arztkontakten
belasten könnte – gerade in der Erkältungssaison, wenn Patient:innen mit leichten Infekten dann persönlich erscheinen müssen. Das birgt das Risiko, dass:
Wartezeiten für akut und chronisch Erkrankte steigen,
Ansteckungsrisiken in vollen Wartezimmern zunehmen,
Menschen sich eher krank zur Arbeit schleppen, um den Praxisbesuch zu vermeiden.
Wer wirklich krank ist, darf durch diese Reform nicht schlechter gestellt werden.
Der Blick über die Grenze lohnt sich
Andere Länder gehen andere Wege:
Belgien hat die Attestpflicht für den ersten Krankheitstag 2022 sogar abgeschafft – Beschäftigte können bis zu dreimal jährlich ohne ärztliche Bescheinigung fehlen, basierend auf
Vertrauen statt Kontrolle.
Die Niederlande setzen stark auf den Betriebsarzt (bedrijfsarts) statt auf die Hausarztpraxis: Arbeitsunfähigkeit wird primär betriebsärztlich begleitet, nicht über ein
AU-Formular vom Hausarzt.
Österreich verzeichnet im europäischen Vergleich vergleichsweise niedrige Fehlzeiten – bei einer Struktur, die stärker auf betriebliche Prävention und Wiedereingliederung setzt
als auf zusätzliche Formularpflichten.
Der gemeinsame Nenner: Diese Systeme verlagern Verantwortung stärker in den Betrieb – nicht ausschließlich in die Hausarztpraxis.
Ein oft übersehener Hebel: der Arbeitgeber selbst
Ein Aspekt fehlt in der aktuellen Debatte fast völlig: Arbeitgeber sind gesetzlich zum Arbeits- und Gesundheitsschutz verpflichtet (ArbSchG, ASiG) – inklusive arbeitsmedizinischer Betreuung. In
der Praxis wird diese Pflicht jedoch vielerorts nur unzureichend umgesetzt. Würde jeder Betrieb die gesetzlich vorgeschriebene betriebsärztliche Betreuung tatsächlich im vollen Umfang leben –
Prävention, Gefährdungsbeurteilung, betriebliches Eingliederungsmanagement, niedrigschwelliger Zugang zum Betriebsarzt – ließe sich ein relevanter Teil der Fehlzeiten vermutlich vermeiden, bevor
überhaupt eine Krankschreibung nötig wird.
Mein Vorschlag für einen multimodalen Ansatz:
Betriebliche Prävention stärken statt nur Kontrolle verschärfen: Konsequente Umsetzung bestehender Arbeitsschutzpflichten, ggf. mit Anreiz- oder Sanktionsmechanismen für
Arbeitgeber, die ihrer Fürsorgepflicht nicht nachkommen. Und nicht wie die Bundesregierung seit Dezember versucht Arbeitsschutz zu reglementieren.
Tagtäglich halten Arbeitgeber: innen den gesetzlichen Arbeits- und Gesundheitsschutz gar nicht oder minimalistisch ein. Die Folge ist es kommt zur arbeitsbedingten Belastungen und Erkrankungen. Das ist Realität und das spiegelt sich in den AU-Zahlen auch wieder.
Betriebsärztliche Erstanlaufstelle stärken (nach niederländischem Vorbild), um Hausarztpraxen bei kurzen, unkomplizierten Erkrankungen zu entlasten.
Vertrauensbasierte Ausnahmen für kurze Einzeltage, ähnlich dem belgischen
Modell, kombiniert mit klaren Grenzen bei Wiederholung.
Schulung und klare Leitlinien für Ärzt:innen zu Gefälligkeitsattesten und korrekter Kodierung, damit die Ausstellung einer AU rechtssicher und einheitlich erfolgt.
Digitalisierung und Entbürokratisierung der eAU-Prozesse, damit zusätzlicher Verwaltungsaufwand nicht einseitig bei den Praxisteams landet.
Eine Reform, die nur an einer Stellschraube dreht – der Attestpflicht –, wird das strukturelle Problem nicht lösen.
Erst das Zusammenspiel aus Prävention, kontinuierlicher betriebsärztlicher Betreuung und Überprüfung der gesetzlichen Vorgaben sowie betrieblicher Verantwortung, klugen Ausnahmeregelungen und Entlastung der Praxen kann echte, nachhaltige Wirkung entfalten.
Aktuelles
Sommer 2026
Hitzewelle - Was nun?
Durch Schwitzen verliert man Natrium, Kalium und Magnesium. Gute Quellen:
ggf. ein Päckchen Elektrolytpulver nach Beschreibung einnehmen
| Mineral | Lebensmittel |
|---|---|
| Natrium | Mineralwasser, Brot, Suppen |
| Kalium | Bananen, Avocado, Kartoffeln |
| Magnesium | Nüsse, Vollkorn, Hülsenfrüchte |
Kurz gesagt: viel trinken, leicht essen, Salz nicht ganz meiden – so kommt man gut durch die Hitze! 🌡️
Durch Schwitzen verliert man Natrium, Kalium und Magnesium. Gute Quellen:
ggf. ein Päckchen Elektrolytpulver nach Beschreibung einnehmen
| Mineral | Lebensmittel |
|---|---|
| Natrium | Mineralwasser, Brot, Suppen |
| Kalium | Bananen, Avocado, Kartoffeln |
| Magnesium | Nüsse, Vollkorn, Hülsenfrüchte |
Kurz gesagt: viel trinken, leicht essen, Salz nicht ganz meiden – so kommt man gut durch die Hitze! 🌡️
Durch Schwitzen verliert man Natrium, Kalium und Magnesium. Gute Quellen:
ggf. ein Päckchen Elektrolytpulver nach Beschreibung einnehmen
| Mineral | Lebensmittel |
|---|---|
| Natrium | Mineralwasser, Brot, Suppen |
| Kalium | Bananen, Avocado, Kartoffeln |
| Magnesium | Nüsse, Vollkorn, Hülsenfrüchte |
Kurz gesagt: viel trinken, leicht essen, Salz nicht ganz meiden – so kommt man gut durch die Hitze! 🌡️
